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Dieser Aufbruch repräsentiert die Schöpfung eines neuen, vollständigeren Weltbildes, da es uns die fünfhundert Jahre alte Schuke der Präokkupation mit irdischem Überlebenskampf und materieller Bequemlichkeit zu liefern imstande war. Obwohl es sich bei der Beschäftigung mit den technologischen Aspekten unseres Menschseins um einen wichtigen Schritt in unserer Entwicklung handelte, wird das Erkennen der bedeutsamen Fügungen in unserem Leben unsere Wahrnehmung für den wirklichen Grund unserer Anwesenheit auf diesen Planeten öffnen und uns die wahre Natur des Universums enthüllen.

Ein "Geschäft" machen ! ?

11 Okt 2012 15:24 - 11 Okt 2012 15:25 #18512 von Manni
Ich möchte gerne mehr und so habe ich mir z. B. ein Pferd gekauft. Nun muss ich auch für ihn sorgen und mehr verdienen. Ich bräuchte ihn nicht zum Leben. Ich bräuchte auch kein Auto und kein Telefon etc.

Ein Fleckchen Natur in dem alles Nötige vorhanden ist, würde ausreichen. Was soll ich damit für ein Geschäft machen? Und was kann ich diesem Teil des Universums schon von mir geben? Ich hätte ja nicht mal etwas zum tauschen.

Ok, der Dünger!;)
11 Okt 2012 15:33 - 11 Okt 2012 15:35 #18513 von Manni
Also fingen die Menschen an, von der Natur in der sie lebten etwas zu nehmen, daraus etwas zu erzeugen und das dann gegen etwas anderes einzutauschen. So konnten sie sich verbessern und immer weiter entwickeln.

Geschäfte zu tätigen bedeutet also Weiterentwicklung, Wachstum etc.

Wie hätten wir sonst PC- erfunden und herstellen können? Doch wir brauchen sie nicht zum Leben! Sie verbessern nur unsere Möglichkeiten z. B. Geschäfte zu tätigen.

Wen haben wir damit nun ausgenutzt? An wem haben wir uns damit bereichert? An Menschen, die wir dazu benutzt haben, an der Natur deren Rohstoffe wir dazu verbraucht haben, Energie die wir daran verschwendet haben usw.

Nun steht sie da diese Wunderkiste und es nutzt uns nur etwas, wenn wir sie auch bedienen und benutzen können. Wir können nicht von ihr leben aber wir können durch sie besser leben, weil wir mehr Möglichkeiten dadurch uns geschaffen haben. Wir haben uns also verbessert und weiter entwickelt. Wir haben etwas gewonnen.

Gewinn ist also dafür erforderlich, nicht zum Leben selbst sondern nur für diese Verbesserung des Lebens.
12 Okt 2012 05:53 - 12 Okt 2012 05:57 #18518 von Manni
Ein gutes Geschäft liegt meiner Meinung nach dann vor, wenn beide Parteien einen Gewinn dabei machen.

Wir tauschen z. B. gegenseitig positive Energie aus und heben dabei unser Glücksgefühl an. Das stärkt und beschwingt uns. Die Trägheit der Masse kommt in Bewegung. Damit können wir unsere anfängliche Situation verbessern. Das wirkt sich auch positiv auf unser Umfeld aus usw. :kiss:

Preisdumping ist hingegen kein gutes Geschäft auch wenn es zunächst so scheint. Der Umsatz wird zwar gesteigert, weil so eine größere Menge verkauft wird und den Käufern verbleibt etwas mehr Restmenge in der Tasche, weil sie weniger dafür ausgegeben haben aber die Folgen auf das Umfeld sind eher negativ. Andere Verkäufer müssen nun auch ihre Preise senken, damit sie noch etwas Umsatz machen können und der Markt wird überschwemmt mit billigen Produkten. Es lohnt sich auch nicht diese zu pflegen und in ihrem Wert zu erhalten, weil es preiswerter ist sie einfach wieder durch neue zu ersetzen. Damit dann überhaupt noch weiter etwas davon verkauft werden kann, muss es ständig verändert / verbessert werden. Es macht also noch weniger Sinn an alten Dingen festzuhalten, weil man so den Anschluss verpasst. Es stellt sich Verschwendung ein. Müllberge wachsen rapide an, die Umwelt wird extrem belastet usw. Das alles nur, um weiter Gewinne zu machen, die sich nunmehr nur noch über die Menge ergeben, da die Preise gegenseitig unterboten werden. Es entsteht ein Preiskampf. Ich glaube, dass man da schon nicht mehr von einer positiven Energie sprechen kann, denn wer in diesem Kampf nicht als Gewinner hervor geht, wird zwangsläufig zum Verlierer. Das ist als Existenz bedrohend. Und wer da mit macht, beteiligt sich auch an den Folgen. Das ist ein schlechtes Geschäft, weil immer nur einer gewinnen kann.

Das kommt dann als Ausbeutung oder Ausnutzung usw. bei den Verlierern an, doch sie haben sich selbst daran beteiligt und sind mit in diesen Kampf gezogen. Sie glaubten sie hätten keine andere Wahl, weil sie ja sparen mussten. Doch ersparen hätten sie sich das können.

"Stellt euch vor, es wäre Krieg und keiner geht hin!" Das ist dann wieder ein gutes Geschäft, denn es gewinnt den Frieden. B)
Folgende Benutzer bedankten sich: nanabosho
12 Okt 2012 08:35 #18523 von nanabosho
Danke, Manfred,

für diese großartige Beschreibung, die die Entwicklung des Ganzen sehr deutlich macht. Sie ist vor allem den Jüngeren unter uns kaum noch klar. Und da sie sozusagen schleichend stattfand, haben wir nicht so richtig gemerkt, wie es mehr und mehr dazu kam. Vielleicht auch haben wir in unserem Land allzu "amerikanische" Methoden übernommen. (Denn nach allem, was ich bisher über die Geschichte der USA gelesen und erfahren habe, ist die Tendenz zum Preisdumping und Preiskampf dort schon sehr lange da gewesen und auch sehr, sehr stark. Unmittelbar verbunden mit einem gnadenlosen Raubbau an der Umwelt, der spätestens im 18. Jahrhundert begonnen hatte und den die Indianer immer vor Augen haben, wenn sie sich verständnislos über die Naturfremdheit des weißen Mannes äußern. Doch gibt es auch gerade in den USA längst Gegenbewegungen.)
Zur Zeit befinde ich mich am Rande des Allgäus und sehe, wie viele Gemeinden und Regionen hier bereits eine Art Regionalwährung "erfunden" haben, die tatsächlich vielfach verwendet wird und durchaus funktioniert. Auf diese Weise kann mit einem "unbelasteten" Tauschmittel ein unbelastetes Geschäft getätigt werden; und ein Umdenken tritt dann schon wie automatisch ein.
Herzliche Grüße,
Andreas
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12 Okt 2012 09:36 #18526 von KeepOnSmiling
Liebe Community,

ich stelle mich mal vor unsere Amerikanischen Freunde... oder sollte ich besser Kinder sagen?

Alles, was "die Amerikaner" über das Geschäfte machen wissen, gelernt haben und tun, haben sie von den Europäern übernommen - von den Kapitalisten, wie z.B. den Fuggern oder auch dem Vatikan. Die Europäer haben Ihre Kultur von den Kelten, Germanen, teilweise sogar den asiatischen Reitervölkern oder den Arabern. Die Europäer sind sowieso die größten (Ideen-)Klauer gewesen. Und Basis dafür waren die Römer, Griechen und auch die Ägypter, die für Ihre Grabdenkmäler die Natur nach ihrem Willen ausgebeutet oder wenigstens "umgestaltet" haben ;-)

Zurück zum Geschäfte machen und der Frage, wer bestimmt den Preis?
Manfred sagte schon, dass es da Angebot und Nachfrage gibt. Und diese Theorie geht so:

Wenn ich ein Buch schreibe, dann verdiene ich damit (zu letzt) 200-300 Euro nach Kosten pro Jahr. Hauptgrund dafür dürfte sein, dass kaum ein Mensch von der Existenz meines Buches weiß, also die Nachfrage faktisch nicht vorhanden ist.
Wenn Andreas Nanabosho seine Bücher schreibt, dann verdient er möglicherweise etwas mehr damit, weil er noch durch Deutschland reißt, für mehr Nachfrage sorgt und so mehr Bücher verkauft als ich, zu einem niedrigeren Preis und trotzdem dabei mehr Umsatz macht.
Das ist gar kein Betrug, keine Übervorteilung oder so - das ist Angebot und Nachfrage.

Wenn J.K. Rowling nun ihr neues Buch veröffentlich hat (übrigens auch günstiger als meines), dann verdient sich (da gehe ich mal davon aus) viel, viel mehr Geld als ich oder Andreas.

Bin ich nun der Betrüger, weil mein Buch das teuerste davon ist?
Werde ich betrogen, weil so gut wie keiner das Buch kauft, es aber gerne geschenkt annimmt? Oder bin ich selbst dran schuld?
Ist J.K. Rowling eine Betrügerin oder unredlich oder unsozial, weil sie noch Geld fürs Bücherschreiben nimmt, obwohl sie doch schon mehr Geld als die englische Königin hat?
War der Tausch meines Buches (19,90€) gegen ein Buch von Andreas (12,90€) ein schlechtes Geschäft?

Obwohl es (in Deutschland) eine Buchpreisbinding gibt, bestimmt der Markt, als die Nachfrage den Preis! Der Preis in meinem Buch beträgt meist 0€, weil es meistens nicht gekauft wird *lach*

Ich könnte diese Dikussion, meine Kritik endlos so weiter führen, denn das gilt gleichsam für alle Produkte und Dienstleistungen.
Wenn zwei sich einigen, dann ist der Preis festgelegt - in beiderseitigen Sinne.

Das gilt auch dafür, wenn durch sogenannte Rohstoff-Spekulationen der Preis für Reis so angetrieben wird, dass manch eine Familie in den Entwicklungsländern das kaum mehr leisten kann. Das ist sicherlich moralisch nicht in Ordnung. Preisbestimmung findet eben so statt.
Jeder hat eine gewisse Menge Energie (und Geld) zur Verfügung und jeder entscheidet frei darüber, wie er/sie diese Resourcen einsetzt.

Ich laber wieder zuviel...
Ob Geschäfte etwas mit Verbesserung und Weiterentwicklung zu tun haben, ist eine Frage der Definition: Ich erinnere gerne wieder an Hans im Glück!

KeepOnSmiling
:) lliKöhl
Folgende Benutzer bedankten sich: Nirvana, Schelm
13 Okt 2012 16:27 #18530 von Arafna
ich find das folgende ist noch einmal ein recht interessanter denkansatz wie geschäfte machen gut funktionieren kann wenn die voraussetzungen dafür geschaffen sind in jedem einzelnen....



Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende
On 7. Juli 2011, in Interessantes, by FwF-sandman

Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage- Wochenende

Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.

Respekt als Erfolgsrezept

Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent. Das Rezept ist einfach: Behandele deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten du ihnen gibst, desto produktiver, zufriedener und innovativer werden sie. Ein Unternehmen besteht aus erwachsenen gleichberechtigten Menschen, nicht aus Arbeitskräften. Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten und eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Entgegen allem, was man aktuell zu glauben scheint, machen Druck und Stress Menschen nicht produktiv, sondern ganz einfach nur kaputt. Und dabei verliert das Unternehmen letztlich genauso wie der Mensch. Es geht Semler um ein neues Verständnis von Arbeit: Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt, im besten Fall eine geteilte Leidenschaft. Die Gesellschaft hat uns das allerdings anders beigebracht, wir sollen uns als Steinmetze, Maler und Hilfsarbeiter sehen, nicht als Kathedralen-Schöpfer. Bei Semco sind die Mitarbeiter essenzieller Teil eines Ganzen, sie sind Mit-Schöpfer, nicht bloß ein Rädchen im System. Sie haben Ideen, sie verstehen
ihre Arbeit, sie wissen, was sie wert ist.

Vertrauen statt Kontrolle

Aber unsere Personalchefs glauben noch immer, dass man Angestellte kontrollieren muss, über Stechuhren, feste Arbeitszeiten, Produktivitäts-Reports und Email-Spionage. Semco hat das alles aufgegeben und die Kontrolle durch Vertrauen ersetzt – und mal im Ernst: Wer will eigentlich mit Leuten zusammenarbeiten, denen man nicht trauen kann? Für Semler ist der Kontrollwahn der meisten Unternehmen einfach nur noch verrückt. Seine Mitarbeiter erziehen ihre Kinder und wählen Gouverneure, es sind erwachsene Menschen, die selbst am besten wissen, was sie möchten und brauchen. “Es ist völlig verrückt, diese Idee, dass die Menschen immer noch so fixiert darauf sind, wie etwas gemacht wird. Bei uns sagt keiner: ‘Du bist fünf Minuten zu spät’ oder ‘warum geht dieser Fabrikarbeiter schon wieder aufs Klo?’ [...] Wenn Du dich bei Semco im Büro umsiehst, sind da immer jede Menge leere Plätze. Die Frage ist: Wo sind diese Leute? Ich hab nicht die leiseste Idee und es interessiert mich auch nicht. Es interessiert mich in dem Sinne nicht, dass ich nicht sicherstellen möchte, dass meine Mitarbeiter zur Arbeit kommen und der Firma eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag geben. Wer braucht eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag? Wir brauchen Leute, die ein bestimmtes Ergebnis abliefern. Mit vier Stunden, acht Stunden oder zwölf Stunden im Büro – sonntags kommen und Montags zu Hause bleiben. Es ist irrelevant für mich”, erklärt Semler seltsam einleuchtend.

Keine Hierachie, dafür Teams

Semco ist etwas, dass es laut dem Menschenbild heutiger Manager eigentlich gar nicht geben dürfte. Und wenn doch, dann dürfte es nicht funktionieren. Tut es aber. Drei Fragen hört Semler immer wieder: Macht ihr das wirklich so? Funktioniert es ganz im Ernst? Und: Was jetzt? Die ersten zwei sind einfach zu beantworten: “Wir machen das jetzt seit 25 Jahren, so ziemlicher jeder, den es wirklich interessiert, ist hergekommen, um zu sehen, ob es wahr ist.
Und unsere Zahlen sind über jeden Zweifel erhaben”, sagt Semler selbstbewusst. Für ihn ist war das Aufbrechen der Unternehmensstruktur von Anfang an keine Traumtänzerei, sondern vielmehr die einzig mögliche Antwort auf unsere unmenschliche Arbeitswelt. Er hat es auf die harte Tour gelernt, wachte selbst erst auf, als er kollabierte und mit Komplett-Burnout in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Das war der Punkt, an dem er beschloss, seine geistige und körperliche Gesundheit nie mehr dem Job unterzuordnen – und das auch von seinen Angestellten nicht zu verlangen. Dass der Wahnsinn ein Ende haben muss. “Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert. Und das ist der Anreiz, sich nach etwas anderem umzusehen” – so einfach sieht Semler das. Doch es fehlt vielen Unternehmern noch immer schwer, die Kontrolle loszulassen. Denn heutige Firmen sind nicht aufgebaut wie Orte des Schöpfens, sondern wie das Militär: mit einer hierarchischen Machtstruktur, mit Befehlsgebern und -empfängern. Semco hingegen ist in konzentrischen und durchlässigen Kreisen aufgebaut, es gibt keine Arbeitstitel, keine festen Büros. Niemand muss zur Arbeit kommen, ob von zu Hause, aus dem Dschungel oder einem Cafe an der Strandpromenade gearbeitet wird, ist den einzelnen Mitarbeitern und Teams selbst überlassen. Diese Teams sind das Herzstück von Semco. Die Menschen arbeiten in Gruppen, die jeweils ein Produkt oder ein Zwischenprodukt selbstständig fertigstellen. Wie sie das machen, in welcher Zeit und mit welchem Geld, das ist ihre Sache. Wer zwischendurch schlafen will, geht einfach in den Firmengarten und legt sich für ein paar Stunden in die Hängematte – wer müde ist, macht ja eh nur Fehler.

Die Firma ohne Personalabteilung

Semco hat 3000 Mitarbeiter, aber keine Personalabteilung, da steht dem traditionellen Unternehmer der Angstschweiß auf der Stirn. Wer stellt diese Leute ein? Wer überprüft die Leistung? Das machen die Angestellten alles selbst. Stellt ein Team fest, dass eine neue Person gebraucht wird, schreibt sie im Intranet der Firma ein entsprechendes Meeting aus. Das ist natürlich freiwillig: Alle können kommen, keiner muss. “Wir wollen nicht, dass irgendwer in etwas verwickelt wird, was ihn nicht interessiert, deshalb sind alle Meetings freiwillig. Das heißt die Meetings werden bekanntgegeben und wer interessiert ist, kann und wird vorbeikommen und soll in dem Moment den Raum wieder verlassen, wenn es anfängt, ihn zu langweilen”, erklärt Semler die Meeting-Philosophie. Leute, die mitten in einem Meeting gehen, weil es sie langweilt – das würde so manchen Vorgesetzten in den Wahnsinn treiben. Aber bei Semco sollen eben nur die Menschen eine Entscheidung treffen und tragen, die es unmittelbar angeht und interessiert. Auf so einem Meeting könnte zum Beispiel beschlossen werden, dass neuer Mitarbeiter gebraucht wird und was er oder sie können muss. Dann wird gemeinschaftlich eine Annonce geschrieben, und sobald die Bewerbungen kommen, werden sie im Team aufgeteilt: Jeder, der möchte, nimmt einfach ein paar mit nach Hause und bringt die interessantesten dann wieder mit. Statt Vorstellungsgesprächen gibt es ein Gruppengespräch mit allen Kandidaten gleichzeitig – auch hier darf kommen, wer will. Die einzigen Mitarbeiter, die regelmäßig formal bewertet werden, sind jene in Entscheidungs-Positionen – und zwar von allen anderen. Sollte einer dieser Manager wiederholt schlechte Bewertungen kriegen, geht er für gewöhnlich von selbst.

Gruppenzwang

Tatsächlich regeln die Teams fast alles unter sich. Macht jemand keinen guten Job, so wird das im Team diskutiert, oder ein Meeting einberufen. Wer sich ein hohes Gehalt zuteilt, erhöht damit auch die Erwartungen des Teams und den Leistungsdruck. Aber auch die Mitarbeiter haben mittlerweile ein anderes Verhältnis zur Arbeit: Wenn jemand einen Haufen Geld verdient, die ganze Woche eigentlich nur Golf spielt, aber trotzdem einen guten Job macht und seine Aufgaben erledigt – wen kümmert’s dann? Was zählt, ist das Ergebnis. Eine Studie von CNN hat festgestellt, dass die Mitarbeiter bei Semco eine sehr viel gesündere Balance zwischen Privatleben und Beruf haben, sich mehr Zeit für Beziehungen, Kinder und Hobbys nehmen, aber gleichzeitig auch ungewöhnlich hohen Einsatz und bemerkenswerte Leistungen im Beruf zeigen. Nicht trotz,
sondern wegen der Freiheiten. Für Semler ist das wenig verwunderlich: Menschen müssen sich entfalten können, um ihr Potenzial optimal einzubringen.

Und es funktioniert

Semler ist sich sicher: Sein Konzept funktioniert überall. Er selbst hat es in Fabriken ebenso eingesetzt, wie in IT-Büros. Tatsächlich ist es eigentlich andersherum – es funktioniert überhaupt nur so. Unsere derzeitige Arbeitswelt mit ihren Burn-Out-Syndromen, mit Mobbing, Stress, Magengeschwüren und Depressionen funktioniert nämlich eben nicht, sie ist fortgesetzter Wahnsinn. Es wird Zeit, dass wir eine Gesellschaft erschaffen, in der Beruf wieder mit Berufung und Leidenschaft assoziiert wird, nicht mit Sklaverei und Ausbeutung. In der Menschen wieder freie Entscheidungen treffen können und mit Respekt behandelt werden. In der Privatleben und Arbeit gleichwertig sind – auch für die Vorgesetzten. Es wird Zeit für das 7-Tage-Wochenende!
Von Ricardo Semmler sind mehrere Bücher erschienen darunter: “The Seven-Day Weekend: A Better Way to Work in the 21st Century” und “Das Semco System: Management ohne Manager”.

Autor: David Rotter
Quelle: www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft...tage-wochenende.html
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