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Thorwald Detlefsen Selbsterkenntnis - Der Weg zur Bewusstwerdung

09 Nov 2012 17:02 #18618 von Marlene
Thorwald Detlefsen

Selbsterkenntnis - Der Weg zur Bewusstwerdung

(Vortrag)
Psychotherapie ist "in".
Wir erleben seit vielen Jahren eine ganze Flut neuerpsychotherapeutischer Theorien, Techniken und Systeme. Und obwohl Psychotherapie soviel von sich reden macht, hat man dennoch den Eindruck, dass die Mehrzahl aller Menschen gar keine rechte Vorstellung davon hat, was eigentlich nun konkret in einer Psychotherapie geschieht.
Und weil ihm das Bewusstsein für diesen Zusammenhang fehlt, beginnt nun das Spiel, hinter den Spiegel zuschauen, den anderen zu berühren, zu küssen und mit ihm Kontakt aufzunehmen. Den Spiegel umzudrehen, nach zu schauen, wo denn der ist, den er immer sieht und nie erreicht.
Hunde, Katzen machen ebenfalls ähnliche Spiele vor dem Spiegel.
Es sieht komisch aus, aber die Tragik ist, dass wir wissen, dass dieses Spielen zu einem unendlichen wird und nie zu dem Erfolg führen kann, den sich das Tier offensichtlich mit seinen Bemühungen erholt.
Wir machen das nicht, zumindest nicht mit physikalischen Spiegeln. Spielen wir mal eine solche Idee durch und Sie bemerken die Lächerlichkeit. Stellen Sie sich vor, da wacht jemand am Morgen auf, krabbelt aus seinem warmen Bett, geht ins Badezimmer, schaut sich in den Spiegel, sieht, wie ein unfreundlich dreinschauender Mensch ihn dort anschaut, wird ärgerlich über eine solche unfreundliche Begrüßung am frühen Morgen, und meckert den erstmal an.
Dieser lässt sich wenig beeindrucken, schimpft sofort zurück und so eskalieren die Situation, bis der vor demSpiegel die Geduld verliert, einfach hineinschlägt und bestenfalls seinen Spiegel zertrümmert.Aber wir wissen, das tut kein Mensch.
Das ist ein erfundenes, das ist ein übertriebenes Beispiel. Keiner tut Dies, weil wir die Gesetze des physikalischenSpiegels kennen und nicht auf das Spiegelbild hereinfallen. Doch das, was ich beim Tier, was ich in diesem über-trieben klingenden Beispiel eben versucht habe zu skizzieren, das machen dennoch alle, nur auf einer anderen Ebene.
Die physikalischen Gesetze haben wir begrenzt, aber wenn es sich nicht mehr um einen Glasspiegel handelt,sondern um einen psychischen Spiegel
(unsere Umwelt), dann benehmen wir uns genauso wie jener Herr, der sein Spiegelbild anmeckert. Nehmen wir ein konkretes Beispiel, das die Konsequenz klar machen soll. Stellen Sie sich vor, ein lieber, netter, friedliebender Mensch entschließt sich, bevor er ins Bett geht, noch um die Ecke in ein Lokal zu gehen und dort ein kleines Bier zu trinken. Er setzt sich hin und trinkt sein Bier - lieb, ruhig, ohne böse Absicht. Nur am Nebentisch, da sind Zwei,die sind nicht ganz soruhig, nicht ganz so friedfertig, die streiten. Nicht mit ihm, sondern untereinander.
Der Streit wird heftiger. Unser friedliebender Mensch mischt sich nicht ein.
Er kümmert sich gar nicht darum. Er sitzt nur da vor seinem Bier. Aber die beiden Anderen streiten immer heftiger und irgendwann benützen sie auch noch Ihre Biergläser, um sich gegenseitig zu überzeugen. Und eines davon fliegt ganz unabsichtlich, ganz zufällig, in die Richtung unseres harmlosen Gastes, streift ihn am Kopf und er wird verletzt. Wenn Sie nun mit unserem friedliebenden Mann über dieses Ereignis sprechen würden, dann würde er mit einem Brustton der Überzeugung sagen, dass er mit seiner Anschauung recht habe, wie es sein kann, dass er als harmloser Mensch verletzt wurde, obwohl er nichts damit zu tun hatte. Nur weil die anderen so aggressiv sind, weil die sich nicht benehmen können, weil die mit Biergläsern werfen.Er, das Opfer, das Opfer der bösen Aggressivität der Umwelt. Doch ein Opfer der Umwelt! Nun stellt sich die Frage: wie sieht denn das mit unserer Theorie aus? Nach unserer Theorie wäre er also nicht Opfer der Umwelt, sondern das Ereignis wäre eine Spiegelung von ihm selbst gewesen. Und spätestens hier würde dieser Mann sagen:

„Da haben wir's ja. Ich bin der beste Beweis dafür, dass diese Theorie mit dem Spiegel gar nicht stimmt. Das kam mir schon immer verdächtig vor. Aber hier wird es doch nun ganz klar, ich bin so unaggressiv, wie nur irgend ein Mensch sein kann.Ihr könnt alle meine Bekannten und Freunde fragen, Ihr könnt bis in meine Kindheit zurückgehen, ich bin nie aggressiv gewesen.“Und wir setzen voraus, das stimmt.„
Ich habe nichts damit zu tun gehabt und die anderen waren doch aggressiv. “Richtig!„ Was ist denn mit der Spiegelung? Nichts! Was soll sich denn da spiegeln, was heisst da, ich bin immer allein und es gibt keine Umwelt, mich beeinflusst keine Umwelt, mich tangiert keine Umwelt? Sie hat es ja doch getan -nachweisbar.
“Hier besteht die Gefahr, vorschnell zu meinen:
„Ja es stimmt, es gibt also doch die Umwelt. Man muss nur die richtigen Beispiele raus suchen.“Warum benützen wir eigentlich Glasspiegel? Nun, ein Glasspiegel spiegelt etwas, das ist richtig. Ich kann meine Hand anschauen. Ich kann auch die Hand vor den Spiegel halten und dann spiegelt der Spiegel meine Hand.

Nur dafür benutzen wir keinen Spiegel. Wir benutzen keinen Spiegel, um das zu sehen, was wir sowieso sehen. Wir benutzen einen Spiegel, weil er uns mehr zeigt als wir ohne dieses Hilfsmittel sehen würden, und das macht den Spiegel so beliebt. Bis zu den einfachsten Kulturen, die bereits eine stille Wasserfläche genau für diesen Zweck benutzen, nämlich um Dinge zu sehen - speziell an sich selbst zu sehen, die man ohne dieses Hilfsmittel Spiegel niemals sehen würde- die Farbe der Augen, die Form der Nase oder sonst etwas. Ein Spiegel zeigt uns also mehr, Ein Spiegel zeigt uns Bereiche, die wir ohne einen Spiegel niemals erkennen könnten, und das macht den Spiegel wertvoll. Aber der gleiche Zusammenhang gilt auch für unseren psychischen Spiegel, sprich Umwelt. Auch hier spiegelt sich nicht nur das was wir sowieso sehen, wenn wir an uns herunterschauen, spiegelt sich nicht nur das was der Mensch an sich kennt, sondern spiegelt sich noch eine andere Hälfte, jene zweite Hälfte, die der Mensch nicht kennt - sein Schatten. Schatten meint hier in der Übernahme des jung’schen Begriffes jene zweite Hälfte des Menschen dies aus dem Polaritätsgesetz entsteht. Nämlich durch die Polarität unseres Bewusstseins und unsere Wertung und unsere Unterscheidung - hier ja, da nein - halbieren wir die Wirklichkeit in zwei Hälften und sind bereit, uns nur mit der einen Hälfte der Wirklichkeit zu identifizieren, nur mit jener Hälfte zu der wir „Ja“ gesagt haben.
Wir bereit diese Bereiche auch bei uns und in uns zu sehen, sie zu durchleben, sie zu erleben.

Doch alle gegen polaren Einheiten versuchen wir aus uns hinaus und möglichst weit von uns wegzuschieben, denn diese Einheiten lösen Angst aus, denn sie sind ja befeindet, sie sind ja abgelehnt. Wir sagen ja „nein“ zu ihnen.
Wir wollen sie nicht haben.
Und die Summe aller abgelehnten Wirklichkeitsbereiche bildet den Schatten des Menschen - dieser Schattengehört zu ihm. Aber der Mensch möchte ihn nie sehen. Ja, wir können sagen, dass eigentlich alle Aktivitäten des menschlichen Lebens fast nur diesem einen Ziel dienen, dem Schatten nicht zu begegnen, ihn nicht zu sehen. Von nichts ist der Mensch normalerweise so tief überzeugt, wie dass dieser Schatten bei ihm nicht vorhanden ist. Dabei ist er gar nicht so klein. Er ist gefährlich gross, mindestens so gross wie die andere Hälfte - wie dieHälfte des Bejahten, des Integrierten. Denn es handeltsich ja nur um die Gegenpole zu diesen Einheiten.Der Mensch schleift ständig einen Schatten mit sich herum und diesen Schatten kennt er nicht, er sieht ihn nicht, denn er hat ihn draußen vor die Tür geschoben. Er will ihn nicht sehen. Er flieht vor ihm. Doch durch einfaches „Nein-Sagen“ wird man ihn nicht los. Es ist wie jemand, der vor seinem durch die Sonnegeworfenen Schatten davonlaufen möchte.

Der Schatten läuft ihm nach. Er klebt buchstäblich an ihm.
Der Mensch kann wegschauen, in dem er einfach versucht nie hinzuschauen, aber er bleibt immer da. Aber dieser Schatten wird von unserem Spiegel „Umwelt“
mit reflektiert. Das heisst, der Mensch erlebt seinen Schatten eigentlichständig, aber immer nur in der Projektion. Er sieht ihn nur im Spiegel, weil er ihn bei sich selbst nicht anzuschauen bereit ist. Und im Spiegel sind es dann auf einmal jene bösenBereiche, gegen die der Mensch nun meint, kämpfen zumüssen.Das ist auch richtig, dass er gegen sie kämpfen muss -scheinbar. Denn alle diese Repräsentanten in der sogenannten Außenwelt, die in Resonanz zu seinemSchatten stehen, beginnen ja nun oder würden seine eigenen Schattenbereiche zum Mitschwingen verursachen, und das wirkt für ihn gefährlich, das löst Angst aus. Und um diese Angst zu vermeiden, versucht man nun die entsprechenden Schattenrepräsentanten in der Umwelt zumeiden, zu umgehen, ja möglichst zu bekämpfen. Dort fordern sie einen heraus, als gefährlich. Anders-herum formuliert: All das was also den einzelnen in der Umwelt stört und zwar alles ohne Ausnahme, was immerden Menschen in der Umwelt stört oder im negativen Sinne herausfordert, von dem er der Meinung ist, das müsste anders werden, das muss man ändern, da muss man etwas dagegen tun.

Das kann doch nicht so sein. Das darf doch nicht so sein. All diese befeindeten Wirklichkeitsbereiche in der Umwelt sind Repräsentanten des eigenen Schattenbereiches, und werden nur deswegen bekämpft, weil man ja die Ent-sprechungen in sich bekämpft hat und nicht haben will. Angewendet auf unser Beispiel war es die Aggression, die sich spiegelte. Diese Aggression gehörte nur zu seinem Schatten, was wir ja durch seine Betonung sahen "Ich bin doch nicht aggressiv, ich würde das nie tun, ich habe noch nie so was getan" - ja das ist richtig. Das ist jener Pol mit dem er sich identifiziert , aber die Aggression, der zweite Pol, der dazu gehört, der ist abgelehnt oder psychologisch gesagt "in ihm verdrängt" worden. Und diese Aggression erlebt er nun lediglich oder nur in der Außenwelt, kann sie jetzt nur noch in der Projektionerleben - dort aber mit Sicherheit. Sie kommt nun von außen auf ihn zu, als Spiegelung, weil er sie in sich zu sehen und zu leben nicht bereit ist. Es war seine Aggression, die die beiden anderen dort lebten. Es war seine Aggression, die das Glas zu ihm beförderte, denn ohne seine Afinität zur Aggression, ohne seine Resonanzfähigkeit zu einer solchen Situation, wäre er niemals damit in Berührung gekommen - sowenig wie unser Radioapparat mit etwas in Berührungkommen kann, wozu er keine Resonanzfähigkeit besitzt. Das Gefährliche im Leben eines Menschen ist sein Schatten, jener abgelehnte Bereich.
Wenn wir diese Spiegelsituation aber verstanden haben, dann erwächst daraus eine Chance, eine Technik, die wir anwenden können, um jenes schwere Ziel „Erkenne Dich selbst“ zu erreichen, dem nämlich immer dieser Schatten im Wegesteht. Wenn wir begreifen, dass die Umwelt immer nur uns spiegelt, dann brauchen wir nicht depressiv darauf zureagieren und sagen „das ist ja entsetzlich, ich immer nur ganz allein mit mir“, sondern dann kann dieser Spiegelinteressant werden, so interessant wie der Glasspiegel fürden wird, der ihn bewusst benutzt. Nämlich genau um das sehen und kennenzulernen, was man sonst niemals kennenlernen würde.
Das heisst bewusst in die so genannte Umwelt zuschauen, zu fragen, was stört mich, wogegen habe ichwas, was fordert mich heraus? Warum stört mich bei dem der Neid? Warum stört mich, dass die Krieg führen? Warum stört mich, dass die das machen? Warum? Weil jene Entsprechungen in mir noch nicht integriert sind.
Weil sie noch zum Schatten gehören. Weil ich nicht bereit bin, jene Wirklichkeitseinheiten herauf zu holen, bewusst zu machen, zu integrieren und zu ihnen „ja“ zusagen, meinen Widerstand, meinen Kampf, aufzugeben. Dieses Halbsein, dieses sich immer nur mit der Hälfte der Wirklichkeit identifizieren wollen und die andere Hälftebekriegen, das ist das, was den Menschen buchstäblich Unheil macht.

Um heil zu sein, um vollkommen zu sein, müsse man, wie das Thai-Chi-Zeichen, beide Hälften zu einer Einheit, zu einem Kreis integriert haben, zu schwarz und weiß. Solange aber der Mensch immer nur an seiner weißen Hälfte herumpoliert und sich nur damit identifiziert und sagt „schwarz ja das gibt es draußen, schaut's nur her, aber doch nicht bei mir“, solange ist er buchstäblich un-heil, fehlt ihm zur Vollkommenheit, zur Ganzheit, genau eine Hälfte. Es hat schon einen Grund, warum man früher den Kranken fragte "Was fehlt Ihnen?" Der Schatten, immer nur der Schatten, jenes, was einem zur Vollkommenheit fehlt, jene abgelehnten und befeindeten Wirklichkeitsbereiche. Der Mensch muss deshalb lernen, will er vollkommen werden, diese zu integrieren. Wenn er zur Einheit kommen will, gibt es für ihn keinen anderen Weg, als die gespaltene Welt der Polaritäten in seinem Bewusstsein wieder zusammen zubringen, die Pole wieder aneinander zu kleben und damit die Konjunktio-Oppositorum, die Vereinigung der Gegensätze, wie die Alchemisten sagen, die kynische Hochzeit der Alchimistenin seinem Bewusstsein zu erreichen (Kyniker =Angehöriger einer antiken Philosophenschule, die Bedürfnislosigkeit und Selbstgenügsamkeit forderte).
Das ist der Weg zum heil werden. Das ist ein Heilungsweg.

Das ist aber auch ein Heilsweg im religiösen Sinne, und die Esoterik spricht deswegen von einem Einweihungs-weg. Einweihung heisst, sich dem Einen weihen, nicht der Polarität, nicht der Spaltung, nicht dem Zerrissensein, sondern das Ziel haben, zurückzukehren in die Einheit, wo die Dinge ununterschieden sind, das ist Einweihung. Wer den anderen Weg geht, den der ständigen Unter-scheidung, kommt früher oder später in die Verzweiflung, denn der Weg der Zweiheit führt eben in den Zweifel, in die Ver-zweiflung. Wenn uns das ein bisschen klarer wird, dann verstehen wir, was es heisst „Schatten integrieren“, was es heisst, hinzuschauen und zu fragen „Womit bin ich denn nicht ausgesöhnt?“ und diese Projektion zurückzunehmen und in sich zu integrieren, zu transmutieren, indem wir einfach "ja" dazu sagen.
Um zu begreifen, dass alles, was ist „gut ist“. Alles was ist „ist gut“ klingt für viele zu gefährlich.Überhaupt was man sagt: Gegen nichts mehr sein, gegen nichts mehr kämpfen, sondern hineinlassen, das ist ein Punkt, der erst einmal sehr viel Protest herausfordert. Protest selbst derer, die sich einem religiösen Heilsweg verschrieben haben. Protest derer, die sagen, ich gehe einen Einweihungsweg, einen esoterischen. Selbst die fangen an diesem Punkt an zu protestieren mit dem Argument, das wäre hier gefährlich. So könne man die Dinge nicht sehen, denn alles was ist - ist gut, das übersieht doch vollkommen das Böse in der Welt. Man kann doch nicht sagen alles ist gut. Schauen sie doch die Folterungen an, schauen sie mal die Geiselnahmen an, schauen sie mal die Morde an. Da können sie doch nicht sagen „alles ist gut“.Es ist eine Menge sehr schlecht.
Es gibt das Böse in der Welt, es gibt das Gute in der Welt. Es gibt den Gott und es gibt den Teufel, und wenn wir uns entwickeln wollen, dann müssen wir aufpassen und uns auf die Seite des Guten schlagen. Auf die Seite des Richters, auf die Seite des Gottes oder wie der einzelne es nennt, und müssen diese Kräfteunterstützen und diesen Weg gehen und das Böse und den Teufel bekämpfen. Das ist die Wertung des Menschen und diese Wertung, dieser Hang zum Werten, ist auch das, was den Menschen dann, trotz aller guten Absicht, jeden Weg den sie vor-haben, letztlich vollkommen vereitelt. Warum ist das so? Wir sind beeinflusst, tief beeinflusst von 2.000 Jahren missverstandenem Christentum. Missverstandenes Christentum sagt nicht, dass die christliche Lehre irgend etwas Falsches lehrt oder nicht recht hat oder sonst etwas.

Die christliche Lehre lehrt wie alle anderen großen Weisheitslehren jenen Einweihungsweg, jenen Heilsweg, ganz exakt und ohne Fehler, aber das schützte sie nicht davor, von Menschen missverstanden, von Menschen missinterpretiert zu werden. Wie entsteht also nun der Teufel?
Er entsteht in dem Moment, in dem wir diesen Gottes-begriff herunter holen in die Polarität, oder anders ausgedrückt, er wird notwendig in dem Moment, in dem das Licht, die Einheit, der Gott in die Spaltung geht, in dieSchöpfung geht, das ist bildhaft gemeint. Das heisst, so lange Gott Gott ist, so lange Licht Licht ist, gibt es nur dieses All-Einige. In dem Moment, in dem sich diese Einheit offenbart, oder anders herum gesehen, in dem Moment, in dem ein polares Bewusstsein diesen Begriff, dieses Licht erkennen möchte, braucht das polare Bewusstsein einen Gegenpol.
Wir haben also am Anfang das Licht, aber in dem Moment, in dem wir auf die Stufe der Polarität kommen, braucht dieses Licht einen Gegenpol oder braucht unser Bewusstsein einen Gegenpol, nämlich die Finsternis, die Dunkelheit, um Licht noch erkennen zu können, wahr-nehmen zu können.
Wir brauchen also auf der Stufe der Polarität einen Teufel, um Gott denken zu können.
Damit wird aber der Teufel, das Böse, die Finsternis - ichverwende diese Begriffe
jetzt analog (sie sollen dasselbesagen in verschiedenen Ebenen) so wird dieses Dunkel letztlich zum Diener dieses Lichtes, zum Diener dieses Gottes. Es ist eine Hilfskonstruktion, die durch diePolarität des Bewusstseins überhaupt erst entsteht. Sie war vorher gar nicht da. Das weiß die Mythologie. Deswegen heisst jener Teufel auch „Luzifer“. Wenn Sie Luzifer übersetzen, heisst es wörtlich „der Lichtträger“.Und genau das ist es, die Dunkelheit ist immer der Träger des Lichtes. Es ist das, was Licht wahrnehmbar macht, er ist der Dünger des Lichtes und ohne diesen Träger, ohne diese Finsternis, ohne das Böse, ist das Gute in einerpolaren Welt nicht denkbar, nicht lebbar, nicht begreifbar, nicht wahrnehmbar. Aber das ganze ist eine Hilfskonstruktion und existierteigentlich niemals und weil es niemals existiert, ver-schwindet es auch wieder, wenn die Polarität aufgehoben ist. Es ist ein wichtiger Punkt, dass die Menschen begreifenlernen, sich trauen, zu denken, dass es nichts Böses gibt.
Es gibt nichts böses, es gibt keinen Teufel, es gibt keine Finsternis - in Wirklichkeit - es gibt nur Licht. Die Finsternis entsteht als Kunstprodukt durch diePolarität und verschwindet, wenn Sie Polarität aufheben. Und deswegen brauchen Sie keine Angst zu haben vor dem Kampf der Lichtkräfte gegen die Finsterniskräfte. Dicke Bücher werden darüber geschrieben, wie man zu den Lichtkräften helfen soll, damit die Finsterniskräftenicht siegen.

Sie brauchen keine Angst zu haben, wie der Kampf ausgeht, der nie einer ist. Innerhalb der polaren Welt transmutieren die Lichtkräfte bei einer Begegnung mit den Dunkelkräften immer dieDunkelheit in Licht. Das ist eine Transmutation. Wenn Licht und Finsternis zusammen kommen, siegt immer das Licht, weil es allein existent ist, das andere ist nicht da. Das können Sie bis in den physikalischen Bereich hinein verfolgen. Stellen Sie sich vor, Sie haben hier einen lichten Raum, einen mit Licht erfüllten Raum Lind draußen ist es dunkel. Sie brauchen keine Angst zu haben, öffnen Sie die Fenster, öffnen Sie die Türen, lassen Sie die Dunkelheit rein. Was geschieht?
Der Raum verdunkelt sich? Nein! Die hereinkommende Dunkelheit wird transmutiert in Licht. Gegenbeispiel: Wir haben einen dunklen Raum Und draußen ist das Licht. Sie können wieder alle Fenster undTüren öffnen und was geschieht? Wieder transmutiert das Licht die Finsternis.
Wenn beide sich begegnen, geht dieser Prozess immer nur in diese Richtung. Das ist auch der Grund, warum alle Mythologien lehren, dass die Finsterniskräfte das Licht natürlich meiden -wenn Sie es nicht meiden, werden sie selbst zum Licht. Versuchen wir, weil wir gerade bei mythologischen Zusammenhängen sind, dasselbe noch einmal auf die menschliche Psyche zu beziehen.

Ich bin mir der Gefährlichkeit bewusst, in mythologischen Bildern zu sprechen, weil unsere Zeit einen schlechten Zugang zur Mythologie hat. Die einen nehmen mythologische Bilder fast wie historische Erzählungen und klammern sich daran im Sinne, das muss man glauben, dass es genau so war, und stellen sich darunter offensichtlich einen Geschichtsablauf vor. Und die anderen sagen, dass es sowieso geschichtlich so nie gewesen sein kann, das ganze sowieso Unfug ist, primitive Gedanken von Leuten, die sich eben nichts anderes vorstellen konnten und werfen das wieder weg im Sinne von einer dummen Phantasie. Beide gehen in die Irre. Mythologie ist der Versuch, metaphysische Wahrheit, metaphysische Wirklichkeit transportfähig zu machen. Das heisst, dass was hinter der Physis, was hinter der Welt der Erscheinungsformen ist, das ist die Wirklichkeit.
Diese Wirklichkeit lässt sich nicht mehr direkt in menschliche Sprache verpacken, lässt sich nicht mehr exakt verstandesmäßig formulieren. Sie gehört der Welt der Einheit an.Will man sie dennoch irgendwo transportieren, jemande meinen Begriff
davon vermitteln, ist man immer gezwungen, sie in Bilder, in Gleichnisse zu verpacken, und so wächst und entwickelt sich Mythologie.

Mythologie ist also die Verpackung einer Wahrheit, die näher an der Wirklichkeit liegt als jemals eine wissen-schaftliche oder vernunftsmäßige Aussage sein kann. Und wir müssen wieder lernen, diesen Zugang zubekommen, verstehen lernen, was ein Bild uns sagen will. Und unter diesem Aspekt wage ich es noch einmal, ein mythologisches Bild hier aufzurollen. Nämlich denSündenfall, den ich schon einmal kurz erwähnte und der wichtig ist für das Verständnis des Schattenbereiches, des Gut und Böse. Dort ging es doch darum, dass die Schlange dem Menschen versprach: „Wenn ihr von dem Baum derErkenntnis des Guten und des Bösen esst, dann werdet ihrer kennen, was gut und böse ist. “Das konnten die Menschen bisher nicht. Sie waren im Paradies, welches ein Symbol für die Bewusstseinseinheitist. Sie waren in der Einheit des Bewusstseins. Sie konnten nicht unterscheiden und deshalb nicht erkennen. Denn Erkenntnis ist gekoppelt an die Polarität des Bewusstseins. Erkenntnis ist nur möglich bei der Spaltungvon Subjekt und Objekt, von Erkennendem und Erkanntem, ohne Polarität keine Erkenntnis. Die Schlange versprach Erkenntnis. Wir wissen, die Menschen entschieden sich in dieser Geschichte für die Erkenntnis und die Schlange hielt ihr Versprechen. Die Menschen wurden erkennend und erkannten, was gut und böse ist.

Damit verloren sie die Einheit des Bewusstseins, das Paradies. Und deswegen wird diese Geschichte der Fall, der Sturz genannt. Die Theologie spricht vom Sündenfall, von Sünde.Sünde als Wort ist verwandt mit dem Begriff oder dem Wort der Absonderung. Sündigen heisst absondern. Der Sündenfall ist die Absonderung von der Einheit des allumfassenden Bewusstseins und damit der Sturz in die Polarität, in das Gespaltensein. Sünde ist Absonderung. Um noch klarer zu machen, was Sünde letztlich meint, schauen wir doch einmal ins Griechische. Im Griechischen heisst sündigen „harmantanern“ und „harmantanem“ heisst gleichzeitig „das Ziel nicht treffen“, „den Punktnicht treffen“. Und jetzt sollte uns etwas klar werden: Den Punkt nichttreffen heisst, die Einheit nicht treffen, jenen Punkt, der schon immer und in allen Kulturen und in allen Religions-systemen Einheit repräsentierte. Und wer diesen Punkt nicht trifft, ist sündig, denn der Mensch mit einem polaren Bewusstsein kann den Punkt, kann die Einheit nicht begreifen, kann die Einheit nicht treffen - sündig sein ist ein Synonym für polar sein. Polares Bewusstsein haben oder sündig sein sind Synonyme, ja identische Begriffe.

Deswegen ist der Mensch sündig, weil er polar ist. Und so könnte klar werden, was die Erbsündenlehre der Theologie eigentlich einmal meinte oder bedeutete. Die Erbsünde ist ja nur die Einkreisung dieses Zu-sammenhanges. Dass sündig sein, polar sein heisst und damit der Mensch schon sündig ist, bevor er eigentlich im engeren Sinne Mensch ist, weil sein Bewusstsein, sein menschliches Bewusstsein polar angelegt ist. Die Probleme begannen damit, dass christliche Theologie versucht hat, den Menschen einzureden, Sünde habe etwas mit konkreten Dingen zu tun, mit konkreten Werken zu tun und dort war der Fehler. Mit einer konkreten Handlung kann Sünde niemals in Verbindung gebracht werden. Es hat nichts damit zu tun, ob der Mensch dieses oder jenes macht, er ist immer sündig. Die griechische Tragödie hat diesen Zusammenhangbegriffen, indem sie immer wieder aufzeigte, es ist vollkommen gleichgültig wie der Mensch sich entscheidet, wie er handelt, er wird immer schuldig, er wird immer sündig, denn die Schuld liegt in der Polarität, die Sünde liegt in der Polarität und nicht im konkreten Handeln. Das ist schwer für uns heute zu begreifen, weil tief in uns dieses andere Wertsystem liegt, in dem uns immer gesagt wird, du musst das eine tun, nämlich das Richtige tun und das Falsche lassen. Und diese Aufforderung ist höchst gefährlich.

Denn in dem Moment, in dem der Mensch versucht, das Eine zu tun, das Gute zu tun - wie er meint - nährt er seinen Schatten. Und dieser wächst mit, um ihn irgend-wann zu überholen. So entsteht es, dass eine ganze christliche Kultur das Gute tun will und dabei ganze Völker ausrottet; Gutes tun will, um nicht zu sündigen und deswegen Scheiterhaufenbaut. Es ist Ausdruck des Schattens, der den Menschen immereinholt, wenn er einpolig lebt, wenn er einpolig seinen Weg gehen will. Wir kommen darauf noch einmal kurz zurück, lassen Sie mich noch folgende Idee im Konkreten einflechten. Wenn wir also „heil“ werden wollen, wenn wir dieseEinheit, diesen Punkt einmal erreichen wollen, dann kommt es darauf an, dass wir lernen, nicht immer einenTeil von uns wegzuschieben, ihn nicht zu tun, nicht damit in Berührung zu kommen, sondern die Gegensätze zu einen, die Pole zusammen zu bringen, diese kynischeHochzeit einzuleiten. Das bedeutet aber konkret, immer mehr vom Schatten herein zu lassen, sich immer mehr mit den Wirklichkeits-einheiten auszusöhnen oder anders gesagt, sich aus zu dehnen. Deswegen noch ein Wort zum menschlichen Bewusstsein: Die Psychologie hat letzter Zeit so viel vom Bewusstsein gesprochen und dieses auch noch unterteilt in Ober-bewusstsein, Unterbewusstsein und Oberbewusstes und Unbewusstes, dass die meisten Menschen sich jetzt fragen:
„Wenn schon jeder Mensch mindestens ein Bewusstsein hat, das auch noch unterteilbar ist und es so viele Menschen gibt, dann gibt es ja sehr viele Bewusstseine oder Bewusstseins!“ oder wie heisst eigentlich der Plural? Vielleicht merken wir daran, dass es gar keinen Pluralgeben kann, Die Sprache kennt den Plural von Bewusst-sein letztlich nur deswegen nicht, weil es gar keinen gibt. Es gibt keine Mehrzahl von Bewusstsein, denn es gibt nur ein Bewusstsein, nennen Sie es das kosmische Bewusst-sein, das All-Bewusstsein - es kommt hier nicht auf Worte an.Es gibt ein Bewusstsein und das ist alles. An dem können Sie teilhaben oder nicht teil haben, aber es bleibt ein Bewusstsein. Stellen wir uns mal dieses Bewusstsein für unsere weiteren Überlegungen als ein Bild vor, als eine großeFläche, als eine Landschaft, als Land. Ich möchte nicht sagen Grundstück, denn Grundstück erinnert uns an etwas Eingezäuntes. Ich meine hier eine sich unendlich flächig ausdehnende Landschaft. Das wäre mal das Bewusstsein. Und dann kommt jemand, bastelt sich einen Zaun, 1 m x 1 m im Quadrat, stellt den auf diese Landschaft. Dann stellt er sich in die Mitte und sagt: „Das ist mein Grundstück, mein Bewusstsein! “Damit meint er jenen Ausschnitt des Bewusstseins, der innerhalb des Zaunes liegt und dazu sagt er: „Das bin ich!“

Das, was außerhalb des Zaunes ist, das ist nicht „ich“. Das ist ihm fremd, ja meistens sogar Angst einflößend, weil er hat es ja nicht integriert, es gehört ja nicht zu ihm.
Das „Ich“ in diesem Beispiel ist der Zaun. Das "Ich' grenzt ab von dem, was innerhalb des Ichs ist und was nicht innerhalb des Ichs ist. Nun stellen Sie sich vor, dieser Mensch lernt. Lernen heisst ja Neues integrieren. Für unser Beispiel bedeutet dies: wenn er lernt, muss er seinen Zaun erweitern, musser den Zaun um sein 1 m x 1 m Grundstück irgendwann aufmachen und ihn ein bisschen größer machen. Nehmen wir an, irgendwann hat er dann 10 m x 10 m. Jetzt ist sein Grundstück, sein Bewusstsein sehr vielgrößer geworden. Und zwar um Bereiche desBewusstseins, die vorher noch nicht „Ich“ waren, weil sie ausserhalb des Zaunes lagen. Diese liegen nun auf einmal innerhalb des Zaunes und gehören zum „Ich“.Er kann sich nun mit mehr identifizieren. Und das nennen wir eine Bewusstseinserweiterung. Aber es gibt immer noch etwas, was außerhalb des Zaunes liegt, und das, was außerhalb des Zaunes liegt, ist weiterhin Nicht-Ich. Wenn er lernt, kann er immer weitere Bereiche dieses Bewusstseins integrieren, das heisst, hinein nehmeninnerhalb des Zaunes und dadurch wird der Zaun größer. Das kann er immer weiter und weiter machen, bis er einriesiges Grundstück hat, bis er ein riesiges Bewusstsein hat.
Das ist wunderschön.
Er fühlt sich auch immer wohler, je mehr Raum er hat. Denn am Anfang war es tatsächlich sehr eng. Enge heisst im lateinischen "angustos". Angustos ist verwandt mit dem deutschen Wort Angst. Angst hat immer etwas mit Enge zu tun, mit Enge des Bewusstseins. Und Enge des Bewusstseins geschiehtdurch starke Abgrenzung. Je mehr ein Mensch sein Bewusstsein zusammen zieht, je kleiner er seinen Ich-Zaun macht, um so mehr gehört zum Nicht-Ich und um so mehr wird als Nicht-Ich und damit als feindlich erlebt. Nun hat der Mensch Angst. Alle Angstsymptome sind deswegen auch Beengungssymptome, Kehle zuschnüren usw. Wenn jemand Angst hat, kann man ihm ja ein sehr einfaches Rezept geben und überhaupt nur ein einziges Rezept gehen: „Dehn Dich aus! “Wenn man sich ausdehnt, gibt es keine Enge und damit auch keine Angst mehr.
Angst ist immer „nichtausgedehnt sein“. Angst ist immer die Bewegung in Richtung Masse, in Richtung Zusammenziehung. Je mehr man sich in Massebewegt, um so mehr Widerstand bietet man. Denken Sie an unsere Physik, an unsere Teilchen. Je mehr die sich in Richtung Masse bewegen, um so mehr Widerstand bieten sie. Diese Wand besteht aus Teilchen, die sich stark in Richtung Masse entwickeln.
Unser Körperbesteht aus Teilchen, die sehr stark masse-bezogen sind. Die Luft hier besteht auch aus Teilchen, die nicht ganz so stark masse-orientiert sind, die schon weniger Wider-stand bieten. Wenn ich mit dem Finger durch den Tisch will, bietet er mehr Widerstand als wenn ich mit ihm durch die Luft gehe. Es ist eine Frage des Widerstandes. Wenn sich das Bewusstsein des Menschen sehr stark in Richtung Masse zusammenzieht, heisst es, er ist gegen alles, er bietet viele Widerstände und dann fühlt er sich nicht wohl. Wenn er diese Widerstände aufgibt, wenn er immer mehr einverstanden ist - achten Sie auf die Worte! - das Eine immer mehr versteht - nicht immer die Zweiheit, sondern das Eine verstehen lernt - wenn er immer mehr einverstanden ist, dann bekommt er auch immer mehr Einsicht, weil er sich der Einheit nähert. Der Widerstand wird immer weniger, Der Mensch hat immer mehr Raum, er hat Platz für die verschiedenen Wirklichkeitseinheiten innerhalb seiner Ich-Grenze. Deswegen tun sie ihm nicht weh. Aber solange es dieses „Ich“ gibt, solange es diesen Zaun gibt, gibt es immer noch etwas, was außerhalb dieses Zaunes ist. Solange es ein „Ich“ gibt, gibt es immer noch etwas, das„Nicht-Ich“ ist.
Egal wie gross das „Ich“ ist.

Deswegen geht es nicht nur um die Bewusstseins-erweiterung, sondern um mehr.
Für denjenigen, dessen Ziel kosmisches Bewusstsein ist, dessen Ziel die Einheit ist, dessen Ziel Samadi ist, die kynische Hochzeit, Erleuchtung - wie immer die Begriffe für diesen Zustand heißen. Wer dieses Ziel hat, der muss begreifen, dass er es nicht allein dadurch erreichen kann, dass er seinen Zaun immer grösser macht, sondern dass er irgendwann einmal den wesentlichen letzten Schritt tun muss: Seinen Zaun zu vernichten, seinen Zaun zu opfern, sein Ich zu opfern. Denn es ist immer der Zaun, der ihm im Wege steht. Es ist immer der Zaun, der ihn abtrennt von allem und damit immer das, was im Wege steht. Dem Menschen steht nur eines im Wege: sein Ich. Das mag für viele verheerend wirken, nachdem wir geprägt sind von ein paar Jahrzehnten Psychologie, die ein Buch nach dem anderen über das Ich und die Ich-Funktionen schreibt, und man in klassischen Psychologien Angst hat, das Ich zu verlieren. Angst, dass es sich auflöst. Aber das gilt nur für eine ganz begrenzte Sichtweise. Letztlich geht es bei jedem Einweihungsweg, bei jedem Heilsweg darum, dieses Ich zu opfern. Es ist das Opus Magnum der Alchimisten, jenes letzte große Werk. Den Zaun zu vernichten und dann ist es geschafft.
Sie können es sich bildhaft vorstellen.Was ist denn nun?
Jetzt steht dieser Mensch da. Was ist nun sein Bewusstsein? Alles! Ist es seins oder ist es nicht seins? Es ist alles, oder alles ist er oder wie Sie es haben wollen. Nun können Sie formulieren: so oder so. Es ist beides richtig, es ist beides falsch. Denn in diesem Zustand gibt es keine Polarität mehr. Hier können Sie nicht mehr polar formulieren, nicht mehr unterscheiden, nicht mehr sagen „so ist es und so ist es nicht“. Jetzt ist er in der Einheit, jetzt ist all alles geworden, jetzt ist er erleuchtet.
Er hat sein Ich geopfert und dabei sein Selbst gefunden.Selbsterkenntnis führt zu Gotterkenntnis.Und hier wird vielleicht klar, dass beides das gleiche ist, nicht nur analog, es ist tatsächlich das gleiche. Wer dieses Selbst findet, findet alles, findet das Allumfassende. Er, das kleine Ich, muss sterben, damit es geboren werden kann. Auf dem Wege einer Einweihung, auf dem Wege einer Heilslehre, auf dem Wege einer Bewusstseinsentwicklung, die diese Ziele hat, gibt es eine große Gefahr und von der habe ich heute so viel gesprochen: der Schatten.

Viele Menschen haben sehr gute Absichten und unternehmen viel Aufwand und Übungen, um weiter zu kommen. Sehr wenige erreichen das Ziel. Warum? Die Überzahl stolpert immer in die gleiche Falle und diese Falle ist der nicht integrierte Schatten. Wer sich nicht einmal ganz bewusst macht, was es heisst, Schatten zu integrieren, mit allen Konsequenzen, ohne einen Bereich auszuklammern und aus zulassen, der wird sehen, dass der Weg eben nicht darin besteht, dem einem Pol nachzulaufen, da man über diesen einpoligen Weg niemals zur Ganzheit kommt. Nicht dadurch, dass die Menschen versuchen das Gute zu tun, das Edle zu leben, kommen sie weiter - sie nähren damit nur ihren Schatten. Das sehen sie lange nicht, und um so schmerzlicher ist die Erfahrung, wenn sie in dieses Loch des eigenen Schattens dann auf einmal hineinfallen. Ein solcher Weg ist zum Scheitern verurteilt. Der Weg muss immer bipolar gegangen werden. Dasheisst, das Wesentliche eines Einweihungsweges ist der Abstieg. Jeder Aufstieg beginnt mit dem Abstieg, beginnt damit, dass man hinunter steigt in die unbewussten Bereiche, in die finsteren Bereiche, in den Hades, das unerlöste Dunkle heraufzuholen und es durch die Bewusstmachung zu transmutieren.

Das lehren alle Weisheitssysteme. Nur der Mensch überhört es gerne, weil dieser Abstieg weh tut. Er ist grauenhafter als alles, was der Mensch sich jemals ausmalen kann und vorstellen kann. Und dennoch, ohne diesen Abstieg, gibt es keinen Aufstieg. „Nieder gefahren zur Hölle und auferstanden“, so heisst es in der christlichen Terminologie, und alle anderen Systeme wissen das gleiche. Die Alchimisten gehen hinab in die Finsternis, dort, wo es stinkt, in die Fäulnis, in die Gärung, um von dort aus den Aufstieg zu beginnen. Dieser Abstieg ist im höchsten Maße unangenehm, im höchsten Maße angsteinflößend. Aber nur wer ihn durchgangen hat, wer das durchlichtete Dunkel mitbringt, kann Chancen haben, seinen Weg zugehen und dieses Ziel zu finden. Diesen Weg, muss jeder selber gehen, diesen Abstieg, muss jeder selber machen. Den kann er nicht machen lassen. Den kann er sich nicht erkaufen. Dennoch, gerade weil es so schwierig ist, mag dereinzelne von außen wenigstens ein bisschen Hilfe erhoffen, ein paar Hilfsmittel, wie auf einem harten Weg, einer harten Wanderung oder Klettertour. Er wird über ein paar Hilfsmittel oder einen Führer oder so etwas ganz froh sein. Aber äußere Hilfe erschöpft sich immer in dieser äußeren Hilfestellung und nimmt niemals den Weg ab.In der heutigen Zeit entwickelt sich das Instrumentarium der Psychotherapie immer mehr zum Hilfsmittel, dem Menschen diesen Weg begreifbar zu machen, ihm auf diesem Weg zu helfen. Ich sage es ist ein Hilfsmittel und gerade die Reinkarnationstherapie, von der ich mehr spreche als von allen anderen, weil ich mir ihr verpflichtet weiss, gerade die Reinkarnationstherapie, die ja nun ganz streng auf esoterischen Grundsätzen und Erkenntnissen aufgebaut ist, versucht, den Menschen diesen heute skizzierten schwierigen Weg zu zeigen oder auf diesem schwierigen Weg beizustehen, ihn einzufädeln, ihm etwas dabei zu helfen. Mit dieser Bemerkung möchte ich vor allem verbreitete Meinungen revidieren, die da heißen:"Reinkarnationstherapie, das ist doch so eine Therapie, wo man seine früheren Leben kennenlernt, das ist doch interessant! "Aus meiner Sicht völlig uninteressant. Man lernt natürlich frühere Leben kennen - genug „en gros“.Aber nicht, weil es interessant ist, zu wissen, was icheinmal war, sondern weil dieses Anschauen - und es ist mehr als nur ein Anschauen - dieses Durchleben, diese neuen Identifizierung mit früheren Inkarnationen ein Hilfsmittel wird für ganz bestimmte Prozesse, um die esuns eigentlich geht. Und die versuchte ich heute Abend aufzuzeigen. Und damit möchte ich auch der Anschauung entgegentreten, die von einigen Seiten verbreitet wird. „Reinkarnationstherapie, da sucht man in früheren Leben die Ursachen und die Traumata für Symptome und Krankheiten im jetzigen Leben.“

Nichts weniger als das! Es gibt keine Ursachen. Es gibt keine Traumata. Das sind menschliche Ideen, Gedankengebilde, die nicht existent sind, weil es in der Wirklichkeit, von der wir sprechen, gar keine Kausalität gibt, weil Kausalität Linearität braucht und Linearität Zeit braucht und Zeit nur in unserem polaren Bewusstsein existiert, nicht in der Wirklichkeit. Die ganze Idee von Ursachen können Sie vergessen. Es gibt weder in der somatischen noch in der psychischenTherapie jemals eine Ursachentherapie. Es gibt nur die Einbildung einiger Leute, dass sie an Ursachen heran-kommen.Wenn Sie es nicht glauben, können Sie jede Ursache wieder hinterfragen nach einer Ursache und dann kommen Sie zu dem Spiel „Ei/Henne, Henn/Ei, Ei/Henne“. Was war denn zuerst da? So kann man die Dinge nicht lösen, die Fragen sind falsch gestellt. Solange Sie nach Ursachen suchen, werden Sie immer welche finden und niemals die Ursache. Die Ursachen liegen im metaphysischen Bereich und dort sind diese keine Ursachen mehr. Wir suchen also nicht infrüheren Leben nach den schrecklichen Ereignissen, dieSchuld daran sind, dass es Ihnen jetzt so schlecht geht. Reinkarnationstherapie macht etwas anderes. Reinkarnationstherapie ist ein Konzept, ein sehr differenziertes Konzept, das mit einer vielleicht für viele erschreckenden Konsequenz den Menschen mit sich selbst bekannt macht.

Reinkarnationstherapie begleitet den Menschen auf der Reise zu sich selbst, um sich selbst zu erkennen, nicht sein Ich, sondern, um sein Selbst zu erkennen.
Als Hilfsmittel verwenden wir dafür ein Überangebot an neuen Identifikationen.
Der Trick besteht im Überangebot, in der Übersättigung. Sie bekommen so viele Inkarnationen, mit denen Sie sich neu identifizieren, indem Sie sie durchleben, dass Sie dabei nicht nur den Schattenbereich durch Identifikation angliedern, sondern langsam auch durchschauen, welch komisch lustige Sache diese ganze Identifikation ist. Wie sinnlos es eigentlich ist, sich immer mit irgendeinem Ich-Zaun zu identifizieren. Solange der Mensch sich mit einem Ich identifiziert: „Ich hin der Herr Sound so, lebend hier, im Jahre 1981 in dieser Stadt“ - ja solange man das macht, wirkt diese Identifikation so sinnvoll, so sicher. Wenn mal einer hunderte von Identifikationen hat, fragt er sich irgendwann, was die sollen. Er weiss, ich brauche nur mein Bewusstsein ein bisschen zu verschieben, so wie wir an unserem Radioapparat eine Frequenzbreite weiterdrehen und schon kommt ein anderes Programm. Auf einmal habe ich eine neue Identifikation und ich bin jetzt ein alter Römer, der gerade durch die Wüste fährt mit seinem Streitwagen und ich brauche nur ein bisschen weiter zu drehen, dann habe ich eine neue Identifikation, dann lebe ich auf einmal im Mittelalter. Und irgendwann werden diese vielen Identifikationen fragwürdig. Wenn man viele hat, kann man sie eigentlich auch wieder sein lassen.

Und das ist mit ein Grund für dieses Überangebot an ldentifikationsmöglichkeiten - dieses kleine enge „Ich“ auszuweiten und zu erschüttern in seiner Notwendigkeit.
Wir wollen während einer Therapie den Menschen lehren, durch diese Wege loszulassen, offener zu werden, einverstanden zu sein, einsichtiger zu werden.
Unter solchen Gesichtspunkten hätte Therapie natürlich nur ein mögliches Ende - „Erleuchtung“ -.Das ist natürlich kein sehr konkretes Ziel für ein konkretes Handeln und wir versuchen deswegen, Therapie nicht zu einer Lebensaufgabe zu machen, sondern zeitlich zu begrenzen, obwohl ich sehr wohl der Meinung bin, dass Psychotherapie zu einem zentralen Ereignis im Leben eines Menschen werden kann und werden sollte, ja, dass Psychotherapie eigentlich die Chance ist, die zentrale Chance im Leben eines Menschen ist und völlig unabhängig ist von Symptomen, Krankheiten und sonstigen Dingen. Aber dennoch sollte man rein zeitlich solche Erfahrungen begrenzen, um nicht zu einer Flucht zu werden. Und eine solche begrenzte Therapie kann damit nicht unbedingtden Menschen zur Erleuchtung führen. Aber sie kann versuchen, den Menschen so nah an bestimmte Bewusst-seinserlebnisse heranzuführen, dass er die Nähe des Zieles zu spüren bekommt, dass er damit in Berührung kommt, mit den Zusammenhängen, mit seinem eigentlichen Ziel, dass er es nie mehr ganz vergessen kann. Er mag in vielen Punkten zurückfallen, er mag noch viele Probleme in seinem Leben haben, er mag immer wieder in psychische Löcher hineingleiten. Aber wenn er einmal etwas davon geschmeckt hat, wenn er einmal in der Nähe war, wird er nie mehr ganz vergessen, worum es eigent-lich in diesem Leben geht, warum er da ist, nämlich zur Einswerdung.Und wenn er mal diese Einswerdung vom Konzept herbegriffen hat, dann mag es auch geschehen, dass er aufhört, sein Leben lang gegen eine zentrale Erkenntnis zu kämpfen, nämlich gegen die Erkenntnis des Alleinseins, gegen die Erkenntnis, dass er immer und schon immer allein war und allein sein wird.
Der Mensch kämpft ständig dagegen, das zu begreifen. Er hat Angst vor dem Alleinsein. Doch wenn er diese Angst aufgibt, wenn er auch hiereinmal einverstanden ist, dann transmutiert sich plötzlich auch das Alleinsein. Und er begreift, da Alleinsein identisch ist mit „All-Einssein“ und „All-eins-sein“, das es das Ziel ist, nachdem jeder Mensch und letztlich jedes Lebewesen, unbewusst oder bewusst, insgeheim strebt.
09 Nov 2012 18:09 - 09 Nov 2012 18:10 #18619 von Marlene
Sein Vortrag scheint ein Auszug aus seinem Buch

Schicksal als Chance zu sein.