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Allzuoft schneiden Menschen sich von der großen Quelle dieser Energie ab und fühlen sich deshalb schwach und unsicher. Um Energie zu gewinnen, zwingen wir andere dazu, uns Aufmerksamkeit und somit Energie zukommen zu lassen. Gelingt es uns, andere auf diese Weise erfolgreich zu dominieren, fühlen wir uns stärker, während die anderen sich schwächer fühlen und sich als Folge davon oftmals gegen uns zur Wehr setzen. Der Wettstreit um menschliche Energie ist die Ursache für alle zwischenmenschlichen Konflikte.

Wieviel können wir vergeben?

09 Jul 2016 22:32 #20955 von Richard179
Liebe Community,

Der Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist mit 87 Jahren gestorben, 70 Jahre später als vorgezeichnet war. Als 16-Jähriger hatte er die Konzentrationslager überlebt. Er war in Sighetu, einem stark von orthodoxen Juden geprägten Schtetl-Umfeld, in den rumänischen Karpaten aufgewachsen. Der Großvater war ein tief religiöser Chassid, ein Frommer, und er selbst sollte Rabbiner werden. Doch nun brach alles zusammen: Vater und Mutter im KZ umgekommen. Die kleine Schwester ermordet. Und all der andere Schrecken. Die ihm überlieferte Vorstellung von Gott und die des Judentums zerbarsten.

Es waren siebzig Jahre quälender Fragen, auf die Elie Wiesel zeit seines Lebens keine Antwort fand. „Ich kann dieses Geschehen nicht fassen“, sagte er immer wieder, auch am 27. Januar 2000 in einer Gedenkstunde im Bundestag, „ich versuche es noch immer.“ Wo war Gott“? Wiesel rang mit seinen Gedanken und seinen Zweifeln an Gott. Er studierte Jahrzehnte lang den Talmud. Um 1973, in der Zeit des Jom-Kippur-Krieges, wurde er Professor für Judaistik, Philosophie und Literatur. Später wurde er Vorsitzender des U. S. Holocaust Memorial Councils.

Ich denke, die meisten Leser hier stimmten zumindest schon einmal zu, wenn jemand von sich gab: „Vergebung hilft dir selbst und ohne Vergebung trägst du es schwer durchs Leben“. Doch wie, angesichts solcher traumatischer Erlebnisse eines Menschen im Alter von 15 Jahren? Viele Menschen sterben wohl damit wie Wiesel auch nach 70 Jahren in Unfrieden.

Bei so viel unvorstellbarem Leid. Die Menschen bewegten sich nicht in den Lagern, aus Angst. Ihre Bewusstheit zogen sie auch aus dem Geschehen, bis zur oder nahe der Bewusstlosigkeit. Wir gehen in eine Art Traum, lassen die Welt los, soweit es geht, wenn die Welt nicht auszuhalten ist. Traumatisierende Erfahrungen heften sich dennoch als Energieform an uns. Manchmal mögen wir uns diesem weltlichen Geschehen vielleicht zeitweise ganz entziehen. Wir ziehen vielleicht unsere Energie heraus in eine andere Ebene, nehmen dann auch den Frieden wahr, ohne die schweren Gedanken und niederen Energien von Angst und Zorn. Mit einer Art Schritt zur Seite betrachtet können wir vielleicht erahnen, dass wir das nicht sind, was da noch im Körper wirbelt. Doch wir brauchen den Körper, solange wir eben. So leben wir mit solchen Energien um uns. Es sei denn, wir schaffen eine Transformation, lassen die an diese Vergangenheit gebundenen Emotionen und Traumas zu Ruhe kommen, werden ein neuer Mensch. Und die Schalen der Raupe bleiben zurück.

Eckhardt Tolle nennt diese Energien den Schmerzkörper, von dem wir alle Ausprägungen um uns haben. Dieser Schmerzkörper treibt uns ständig in die alten Muster und er gibt vor, er sei wir selbst. Eckhardt Tolle selbst war auch nahe daran, zugrunde zu gehen. Nur eine Erkenntnis hat ihn gerettet. Er erkannte, dass sich der Schmerzkörper auflösen lässt, wenn wir wahrnehmen, dass wir einen Schmerzkörper haben und ihn auch distanziert beobachten können. Nur versuchen wir, alles mit Denken zu lösen, und geben der einfachen Körperwahrnehmung, Glauben an innere Stärke und der Wirkung einfacher Absicht wenig Bedeutung und haben wenig Geduld damit. Eher folgen wir dem Intellekt, der ständig eine Sofortlösung zu haben scheint.

Die genannte Transformation hat wohl wenig zu tun mit intellektuellem Denken. Wir lassen eher leichter los, wenn wir nicht nach Erklärungen suchen. Wir beabsichtigen die Umwandlung einfach. Vielleicht leichter, wenn wir weniger auf ein regierendes Wesen hoffen, das dann aber nicht da war in Auschwitz. Das machtvolle Wesen ist eher anwesend in uns selbst. Wir haben große Macht bis hin zur eigenen Transformation, mit der wir an jeder Last der Vergangenheit arbeiten könnten. Nur unser eigenes Denken über uns selbst und vielleicht unser Glaube an unsere Ohnmacht ist im Weg. Und das Universum gehorcht auch solchem Denken. Erklärungen gibt es oft auch gar nicht.

LG Richard
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