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Legasthenie: Behinderung oder Begabung?

24 Apr 2011 20:49 #13357 von karo
Lieber Andreas,

es gibt auch manchmal eine ganz einfache Lösung.
Hast Du schon mal was über Winkelfehlsichtigkeit gehört?

www.augenoptik-bruske.de/legasthenie-win...hlsichtigkeit-kf.php

LG von karo.
26 Apr 2011 14:09 #13400 von BettinaW
Hallo ihr alle,

mein Sohn hat Erfahrungen gemacht mit der Davis-Methode ( www.dyslexia.com wurde hier schon genannt in dem einen Beitrag).

Es ist schon einige Jahre her, aber es hat eine komplette Wende in seinem Leben erzielt. "Plötzlich" (nach Absolvierung eines 1-wöchigen Kurses und Erarbeiten der Wörter der dt. Sprache, die kein "Bild" haben) konnte er lesen, schreiben ohne Probleme.
Ich habe zu dem Thema vor Kurzem einen Artikel verfasst, der in einer neuen Zeitschrift gerade erschienen ist. Aber ich hänge euch meinen Artikel-Entwurf als Datei mal hier an. Wer interessiert ist, kann ihn sich gern durchlesen.
Ich kann nur sagen, dass es ein Talent ist mit "Nebenwirkungen" und sobald man weiß, wie man damit umgehen kann, ist es eine enorme Bereicherung.

Von Herz zu Herz
Bettina
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26 Apr 2011 14:12 #13401 von BettinaW
C:\fakepath\Legasthenie.doc
Sorry, hat nicht gleich geklappt mit dem Anhang, aber hoffentlich jetzt!
26 Apr 2011 14:14 #13402 von BettinaW
hm...krieg die Datei nicht angehängt (mache wohl irgendwas falsch)... hab den Txxt jetzt kopiert und stelle ihn hier ein:

Legasthenie – ein Talent!

Vor Jahren wurde mir in der Grundschule mitgeteilt, dass mein Sohn vermutlich Legastheniker sei, da er Probleme mit dem Lesen und Schreiben hatte. Man schlug mir die „Sonderschule“ vor: „...wenn es nicht besser wird“.
„Zufällig“ hatte ich kurz zuvor erfahren, dass es in Hamburg ein neues Institut gab, das sich mit ganz neuen Ansätzen der Legasthenie widmete: Das Davis-Institut (inzwischen unter dem Namen „Das Legasthenie-Institut“ zu finden); Begründer der Methode: Ronald Davis. Ron Davis, Amerikaner, war selbst Autist und Legastheniker. Er schaffte es aus eigener Kraft, sich aus seinem Autismus zu befreien und fand um 1980 heraus, was Legasthenie wirklich ist. Er entwickelte in den Folgejahren eine Therapie die es jedem Legastheniker ermöglicht, problemfrei zu lesen, schreiben und zu rechnen!
Diese Therapie beruht auf zwei Tatsachen:
Erstens haben Legastheniker ein etwas anderes Wahrnehmungsvermögen als wir „Normalen“. Sie „sehen“ Buchstaben, Zahlen usw. nicht wie wir Normalos von oben, platt auf dem Blatt liegend, sondern dreidimensional von allen Seiten gleichzeitig. Buchstaben, Symbole und Zahlen schweben für sie in einem Raum. Das liegt daran, dass ihr Gehirn nicht die „Augenbilder“ verwendet sondern ein eigenes Bild aus den Augenimpulsen bildet, welches räumlich dreimensioniert ist. Diesen „Sinn/Wahrnehmung“ kann man lernen zu beherrschen und, je nachdem wie es gerade benötigt wird, an- oder aus“knipsen“. Diese besondere Wahrnehmung ist aber auch die Ursache für die besondere Kreativität dieser Menschen. Es gibt jede Menge berühmter Künstler/Prominente aller Genren, die auch Legastheniker waren oder sind: Agatha Christie, George W. Bush, Alfred Hitchcock, Whopie Goldberg, Ernest Hemmingway, Leonardo da Vinci, Picasso, Lord Richard Rogers (Architekt) usw. usw.
Zweitens denken Legastheniker auch anders. Normalerweise bilden wir Gedanken mit den Worten, die wir kennen und reihen diese aneinander. Die Geschwindigkeit hierbei beträgt ungefähr 200 Worte/Minute. Ein Legastheniker aber „denkt“ in Bildern. Statt der Worte „sieht“ er Bilder in sich. Dieses Bild-Denken läuft ca. 15 – 20 mal schneller ab als Worte aneinanderzureihen.
Durch das Bild-Denken ergibt sich eine weitere Schwierigkeit. Es gibt in unserem Sprachsystem sehr, sehr viele Worte zu denen nicht wirklich ein „echtes Bild“ existiert. Worte mit Bildern sind z.B.: Hund, Tisch, Auto, Mann, Ball usw.; Worte ohne Bilder sind z.B.: und, alle, hier, wo, der, die usw., usw.! Der folgende Satz: „Der Hund auf dem Traktorsitz geniesst den Ausblick über die Wiese“ stellt sich für einen Legastheniker folgendermassen dar: ? Hund (Bild) ? ? Traktorsitz (Bild) ? ? ? ? ? Wiese (Bild). Können Sie sich vorstellen, wie schwierig es ist, daraus den Satz-Sinn zu ergründen?

Das alles wußten wir damals natürlich noch nicht. Wir fuhren also für eine „Erstdiagnose“ nach Hamburg ins Institut. Dort wurde in einem Gespräch herausgefunden, ob er diese spezielle gute räumliche Vorstellungskraft/Wahrnehmung hat und die Fähigkeit, kreativ zu arbeiten. Das bestätigte sich schnell und wir entschieden uns, für einen 1-wöchigen Kurs wiederzukommen.

In diesem Kurs lernte mein Sohn dann als erstes, diese besondere Wahrnehmung zu beherrschen. In Kurzform beschrieben, geschah das dadurch, dass er sich mit Hilfe seines „inneren Auges“ vorstellte, dieses innere Auge an einer Stelle –hinter und oberhalb seines Kopfes zu positionieren und mit Hilfe von imaginären „Bändern“ zu befestigen (die man allerdings auch jederzeit wieder lösen kann, wenn man wieder kreativ arbeiten möchte:
Von dieser „festen“ Postion aus konnte er dann die Buchstaben so platt von oben sehen, wie wir Normalen.




Schritt zwei bestand darin, dass er die Buchstaben des Alphabetes auf eine völlig neue Art und Weise „erlernte“, nämlich indem er sie einzeln mit den Händen aus Plastilin formte und den Buchstaben dazu aussprach. Dies wurde solange geübt bis er das Alphabeth vorwärts und rückwärts lesen und erkennen konnte.
Der dritte Schritt beinhaltete, den Worten ein Bild zu geben, die keines haben. Es wurde eines dieser Worte ausgewählt, mein Sohn dachte sich eine Situation dazu aus, die für ihn persönlich versinnbildlichen würde, was das Wort bedeutet. Dann knetete er diese Situation als Bild, darunter wurde das Wort „geschrieben“ = geknetet. Als letzten Schritt nahm er dieses komplette Bild für sich in „Besitz“ indem er dazu sprach: „Du bist mein Modell für (z.B.) „holen“ und bezeichnest einen bestimmten Zweck und du lautest „holen“.“



Während der Tage, die der Kurs dauerte, erlebte ich ein Wunder. Mein Sohn, der niemals freiwillig ein Wort gelesen hatte, begann nach ein, zwei Tagen auf unserem täglichen Weg aus der Straßenbahn heraus, die Straßenschilder laut vorzulesen. An einem freien Nachmittag besuchten wir die Sonderausstellung der Titantic, die man damals in der Speicherstadt ansehen konnte. Während wir durch dieses faszinierende Museum gingen, las er mir die erklärenden Schilder vor, die neben den Stücken hingen. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an diese Momente zurückdenke. Es war für mich als Mutter ergreifend zu sehen, mit wieviel Freude er seine neue Fähigkeit entdeckte und damit spielte. Ich war so überglücklich und so froh, dass ich die Investition (damals ca. 3000 DM) gemacht hatte. Inzwischen gibt es Krankenkassen, die die Kursgebühren übernehmen. Wäre ich wieder in dieser Lage, würde ich es 100%ig wieder tun, auch wenn ich dafür jeden Cent zusammenkratzen müßte!!!

Wieder zu Hause mußten wir noch einige Wochen weiterarbeiten. Es gibt, wenn ich mich richtig erinnere, ca. 300 Worte in der deutschen Sprache, die kein „Bild“ haben. Diese Wörter haben wir nach und nach „erknetet“. Hilfreich dabei war ein Wörterbuch der deutschen Sprache, welches nur den Sinn eines Wortes erklärt.

Mein Sohn hat seine Schulzeit „normal“ durchleben können und hat als einer der Jüngsten erfolgreich den Meistertitel in seinem heutigen Beruf erhalten.

Das Institut befindet sich noch immer in Hamburg, wobei inzwischen in ganz Deutschland (sowie in Österreich, Schweiz, Luxemburg und Italien) mehrere nach der Davis-Methode ausgebildete Trainer arbeiten. Weitere Informationen dazu finden Sie unter:
www.legasthenie-ads-dyskalkulie.de
www.das-legasthenie-institut.de

Mein Rat von ganzem Herzen ist: Sollten Sie Legastheniker sein oder ein Kind haben, welches Legastheniker ist oder Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder, weisen Sie sie auf diese Möglichkeit hin. Es lohnt sich wirklich!

Viel Erfolg wünscht Ihnen Bettina Wietgrefe
www.wietgrefe.net
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26 Apr 2011 15:19 #13405 von abraess
Hallo Bettina, mit meiner Legasthenie komme ich zur Zeit gut recht. Ich habe wohl durch hart Training und eben alle Hilfen die die moderne Technik bietet es geschafft einigermaßen in griff bekommen. Mir war wohl auf Grund meines Alter das was hier eben auch als Begabung genannt wird neu und ich bin eben gerade am überlegen wie weit diese jetzt mehr nutzen lerne.:) Es freut aber das es eben Leute wie Agatha Christie und Leonardo da Vinci geschafft haben.:) Klein Tipp die freuen mich weil meine Interessen abdecken. :)
Andreas Braess
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30 Apr 2011 13:48 #13491 von runaway
Hallo Marlene,

Deine Frage ist ja, ob es eine Behinderung oder eine Gabe ist.

Hier sehe ich es so, dass jeder Mensch seine Sichtweise zu jedem Thema hat. Und so "urteilt" auch jeder Mensch nur aus seiner Sicht heraus.

Legasthenie sehe ich nicht als eine Behinderung an, sie ist eine Stärke, die nicht so in unsere Gesellschaftsformen passt. Wer darauf einen gesteigerten Wert legt, der sieht es als Behinderung. Wer es als eine Stärke sieht, der freut sich darüber.

Dem Betroffenen selbst wäre es egal, wenn er nicht durch die Gesellschaft unter Druck gesetzt werden würde.

Ein Mensch, der nur in Worte denkt sieht nicht die unendliche göttliche Vielfalt, die sich einem Legastheniker zeigt. Eigentlich ist er der, der einer Behinderung nahe kommt.

Nehmen wir z.B. einmal eine geführte Meditation. Hier werden Wege beschrieben, die der Zuhörer folgt. Folgt er in Bildern sieht er Dinge, die es vielleicht auf unserer Erde gar nicht gibt. Folgt er nur den Worten und Buchstaben, dann wird es kaum so bunt werden.

Bei einer nicht geführten Meditation würde ich ohne Bilder nicht sehr weit kommen.


Ich finde es super, dass es Systeme gibt, die den Betroffen helfen mit der Gesellschaft in Einklang zu kommen.

Viele Grüße

Wolfgang
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