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Vom Löwen, der zu einem Schaf wurde

23 Apr 2011 20:36 #13335 von Torsten
Es war einmal eine riesengroße Löwin, die ein Junges im Leibe trug und unter großem Hunger litt. Da das Löwenkind in ihr von Tag zu Tag schwerer wurde, konnte sie sich auf der Suche nach Beute nur noch schwer fortbewegen. Selbst wenn es ihr gelang, sich nahe an eine Beute heranzuschleichen, war sie nicht behende genug beim Zupacken, so dass jeder Versuch, eines der Tiere anzuspringen, misslang.

Brüllend vor Schmerz, von Hunger geschwächt und schwer an dem Jungen tragend, durchstreifte die arme Löwin den Wald, bis sie schließlich im Schatten einer Baumgruppe, in der Nähe einer Schafweide, einschlief. Im Halbschlaf träumte sie von einer weidenden Schafherde und als sie gerade versuchte, sich auf eines der Traumschafe zu stürzen, schreckte sie aus ihrem Schlaf empor und erblickte tatsächlich ganz in ihrer Nähe eine große Herde weidender Schafe.

Außer sich vor Freude und ganz vergessend, dass sie ein Junges im Leibe trug, stürzte sich die von wahnsinnigem Hunger getriebene Löwin auf die Herde, packte ein junges Lamm und verschwand mit ihm in der Tiefe des Dschungels. Sie wusste nicht, dass sie bei ihrem wilden Sprung in die Schafherde und durch die großen körperlichen Anstrengungen einem jungen Löwenkind das Leben geschenkt hatte.

Die Schafherde war bei diesem Angriff vor Schreck wie gelähmt. Doch als die Löwin verschwunden war und die Panik sich gelegt hatte, erwachten die Schafe aus ihrer Betäubung und bemerkten den Verlust ihres Kameraden. Und während sie noch klagend in Schafssprache blökten, entdeckten sie zu ihrer großen Verwunderung das hilflose jammernde Löwenkind in ihrer Mitte. Eines der Mutterschafe erbarmte sich des Jungen und nahm es als ihr eigenes an.

Mehrere Jahre waren vergangen. Das verwaiste Löwenkind war zu einer ausgewachsenen Bestie mit langer Mähne und Schwanz geworden, wanderte mit der Herde mit und verhielt sich genauso wie die anderen Schafe. Es blöckte statt zu brüllen und fraß Gras anstatt Fleisch. Dieser strikt vegetarische Löwe hatte sich, was Schwäche und Sanftmut anbelangt, zu einem vollendeten Schaf entwickelt.

Dann geschah eines Tages folgendes: Ein anderer Löwe spazierte aus dem Walde heraus über die grüne Weide, wo er zu seinem Entzücken die Schafherde entdeckte. Freudig und vom Hunger angetrieben, begann er die fliehende Herde zu verfolgen, als er plötzlich zu seiner größten Bestürzung den riesigen, stämmigen Schaf-Löwen erblickte, der mit hoch erhobenden Schwanz und in größter Eile der Schafherde voranlief und ebenfalls floh.

Einen Augenblick lang hielt der Löwe in seiner Verfolgung inne, wedelte überrascht mit dem Schwanz und dachte: „Ich kann zwar verstehen , dass die Schafe vor mir fliehen, aber es ist mir unbegreiflich, dass ein wackerer Löwe ebenfalls davonrennen sollte. Dieser fliehende Löwe erweckt meine Neugier.“ Und so setzte er eilig hinter dem fliehenden Tier her und sprang es an. Der Schaf-Löwe verlor vor Angst die Besinnung, was den großen Löwen noch mehr verwirrte. Mit einem kräftigen Puff erweckte er den Schaf-Löwen aus seiner Ohnmacht und rief ihm mit heiserer Stimme zu: „Wach auf! Was ist los mit dir? Warum läufst du, ein Löwenbruder, vor mir davon?“

Der Schaf-Löwe aber kniff die Augen zu und blöckte in Schafssprache: „Bitte, lass mich gehen! Töte mich nicht. Ich bin bloß ein Schaf aus der Herde drüben, die geflohen ist und mich zurückgelassen hat!“ „Aha“ sagte der große Löwe da, „jetzt weiß ich, warum du blöckst.“ Dann dachte er scharf nach, packte den Schaf-Löwen mit seinem mächtigen Kiefer bei der Mähne und schleifte ihn zu einem See am Ende der Weidelandschaft. Als sie das Ufer erreicht hatten, stieß er den Kopf der getäuschten Bestie über das Wasser, so dass er sich dort widerspiegelte und begann den Löwen heftig zu schütteln, denn dieser hielt die Augen noch immer fest zugekniffen. „Was ist los mit dir?“ rief der große Löwe. „Mach deine Augen auf und sieh, dass du kein Schaf bist.“

„Mäh, mäh, mäh! Bitte töte mich nicht! Lass mich gehen! Ich bin kein Löwe, sondern nur ein armes, schwaches Schaf“, wimmerte die dumme Bestie. Nun wurde der große Löwe ärgerlich und versetzte seinem Gefangenen einen furchtbaren Stoß. Voller Schreck riss der Schaf-Löwe endlich die Augen auf und war erstaunt, im Wasser nicht, wie erwartet, einen Schafskopf, sondern einen Löwenkopf widergespiegelt zu sehen, genauso einen, wie ihn der andere hatte, der ihn mit seiner Tatze schüttelte. Da sagte die große Bestie in Löwensprache: „Sieh dir unsere beiden Gesichter im Wasser an, sie sind sich völlig gleich. Und meine Stimme brüllt und blökt nicht. Du musst auch brüllen, anstatt zu blöken!“

Endlich überzeugt, versuchte der Schaf-Löwe zu brüllen, konnte aber anfangs nur ein zaghaftes, von Blöken unterbrochenes Brüllen hervorbringen. Doch unter den Tatzenhieben und Ermahnungen seines neuen Freundes, gelang es ihm schließlich standesgemäß zu brüllen. Dann rannten die beiden Löwen durch die Felder, verfolgten die Schafherde gemeinsam und kehrten schließlich heim, um fortan in der Höhle des älteren Löwen zu hausen.

Liebe Grüße
Torsten
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10 Jul 2011 03:17 #14767 von Babsi
Lieber Torsten, danke für Deinen Beitrag, ich stärke gerade umgekehrt meinen Schafanteil ;-) weil "zu viel" brüllen, recht unangenehme Konsequenzen nach sich zieht. Daher lautet meine Aufgabenstellung: Schaf UND Löwe ausgewogen zu vereinen. Bis Schaf und Löwe gemeinsam liegen können. Lg Babsi
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